Die Coolste! Lucile tanzt... :)
Dienstag, 4. März 2014
Videos
Mit Videos kann man so vieles aufeinmal zeigen! Deshalb hier ein Video von der heutigen Karnevals-feier im Gemeinschaftssaal in Ambleteuse.
Die Coolste! Lucile tanzt... :)
Die Coolste! Lucile tanzt... :)
Donnerstag, 27. Februar 2014
Bilanz
Das wird jetzt ein kleiner, aber feiner Eintrag. Heute Morgen hätte ich nicht gedacht, dass sich meine Laune für den heutigen Tag ändert. Ich hatte keine Lust aufzustehen, es hat geregnet und um 10 Uhr hatte ich meine 4-Monate+ Bilanz mit Gilles und Laurent im Ambleteuse. Dort habe ich eine andere Freiwillige getroffen, die ihre Bilanz vor mir hatte und sie meinte: "ja, du kannst ruhig alles erzählen, die hören dir zu!" und ich dachte mir so "Nein ich will aber nichts erzählen! Das wird sowieso das Selbe sein wie bei Valerie und Giulia und danach ändert sich sowieso nichts!" Aber weil ich nicht einfach sagen konnte: "Leute, heute habe ich keine Lust mit euch zu reden" und ich mir extra ein Blatt mit Stichwörtern vorbereitet habe, musste ich wohl hingehen. Die Situation ist immer gleich. Gilles (heute auch Laurent) sitzen wie zwei Psychologen mit dir im Halbkreis zusammen, die Beine übereinandergeschlagen und bieten dir ein Taschentuch an, damit du den Regen von deinen Brillengläsern wischen kannst. Wir haben vorher ein Blatt mit Fragen bekommen über die wir uns schonmal Gedanken machen sollten. "Wie war dein Empfang hier" "Was haben dir die Personen bis jetzt gegeben" "Wie läuft es mit deinem Team" "Was gibt dir Kraft" "Wie fügst du dich in den Rhythmus des Lebens der Arche ein" Also habe ich erstmal 20 Minuten einen Monolog gehalten (zustimmendes und wissendes Nicken zwischendurch). Das kann ich ganz schlecht auf Französisch. Ein Gespräch ist etwas anderes, aber vor anderen meine Geschichte zu erzählen, ist doch wesentlich schwieriger. Ich versuche möglichst frei zu erzählen und komme zwischendurch mit meinen gegoogelten Ausdrücken an, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob man die in diesem Zusammenhang so verwenden kann. Danach erst mal psychologisches Schweigen. Da denke ich immer "ohje, was hast du denen jetzt wieder erzählt und wie viele grammatikalischen Fehler hast du gemacht?!" Dann frage ich immer, ob alles verstanden wurde und dann machen die Witze indem sie den anderen fragen "Hast DU was verstanden? Ich weiß nicht ob ich folgen konnte" Aber das ist immer sehr symphatisch. Danach analysiert Gilles nochmal alles was man gesagt hat. Immer ein wenig deprimierend, weil man alles versteht und sich fragt "ach menno, warum konnte ich das nicht so formulieren" Der springende Punkt (weshalb ich auch gut gelaunt bin) ist, dass Laurent mich gelobt hat und meinte, dass mein Lachen so sympathisch ist und ich Frische in die Bergerie bringe. Das hat mich total gefreut. Er hat genau die richtigen Worte für unsere Situation gefunden. Die Bergerie ist eben ein Foyer, das anders ist als die anderen und dazu noch örtlich von den anderen getrennt ist. Die Leute sind zwar weniger geistlich-behindert, aber dadurch heben die auch viel mehr Ansprüche an uns Assistenten und die Verantwortlichen in Ambleteuse. Er hat es wirklich so dargestellt, als wären wir drei Assistenten das Positive hier und über die Probleme machen sich die anderen Gedanken. Wir versuchen einfach so gut es geht im "Bergerie-Cocktail" zu leben. Während er geredet hat, ist mir auch aufgefallen, dass ich diese Action auch ein wenig brauche und gar nicht in einem Foyer in Ambleteuse wohnen wollen würde, weil man sich dort nicht so viele Gedanken über die Psyche der Personen machen muss, wie man am besten mit ihnen umgeht, ob man sie bei der Körperpflege begleiten soll oder nicht und wie man diese verschiedenen Persönlichkeiten in das Foyer-Leben integrieren kann. Darüber bin ich froh, dass wir hier mehr Verantwortung haben, die Büroarbeit erledigen und deshalb auch über alle Neuigkeiten (Streitigkeiten, Probleme auf der Arbeit, geplante Austausch-Wochenenden und Foyerwechsel) informiert sind und mitreden können.
Nach dem Gespräch war ich wirklich gut gelaunt, habe mit Freude das Geld für Marie-Claires "Felix" abgeholt. Darauf wartet sie schon seit Wochen. Sie hat sich eine Musikanlage von Philips ausgesucht. Sie nennt es immer "Felix" und ich verbesser sie dann immer und sage: "Nein, du holst deinen Philip" Was genau sie sich ausgesucht, weiß ich nämlich auch nicht. Und danach war ich tanken, ohne auf die Preistafel zu schauen, ich brauche ja sowieso nur zu unterschreiben.
Nach dem Gespräch war ich wirklich gut gelaunt, habe mit Freude das Geld für Marie-Claires "Felix" abgeholt. Darauf wartet sie schon seit Wochen. Sie hat sich eine Musikanlage von Philips ausgesucht. Sie nennt es immer "Felix" und ich verbesser sie dann immer und sage: "Nein, du holst deinen Philip" Was genau sie sich ausgesucht, weiß ich nämlich auch nicht. Und danach war ich tanken, ohne auf die Preistafel zu schauen, ich brauche ja sowieso nur zu unterschreiben.
Montag, 24. Februar 2014
Hallo meine Lieben, ich werde jetzt wieder öfters was von mir hören lassen. Es ist eigentlich immer was los. Mir geht es im Moment richtig gut. Die Leute sind nach wie vor verrückt, aber daran gewöhnt man sich wirklich. Man entwickelt sogar selber gewisse Eigenheiten. Wenn Stéphane mal wieder streikt und sich nicht duschen will, dann lauf ich auf dem Flur vor seiner Tür auf und ab, klapper mit den Flipflops, singe seinen Namen und klopfe im Takt gegen die Tür. Das ist so witzig, wenn er dann im Zimmer seine Selbstgespräche führt "was klopft die denn, macht so ein Krach, ich nehm nicht meine Dusche, nein, ich nehm die nicht, nein ich streike, mache Streik". Brigitte war letztens auch wieder so amüsant. Sie macht samstags immer ihr Zimmer und seit Neuestem kann sie auch ihr Bett alleine überziehen. Am Samstag hat das aber nicht so geklappt und da hab ich sie schon fluchen gehört. Dann kam sie den Gang entlang geschlurt "sOOOOOphia?!" Ich stand gerade mit Putzhandschuhen und dem "5in1" Putzmittel vor dem Klo und habe ihr zugesehen, wie sie immer wieder ihre Decke schüttelt und sie dabei über den Boden schleift. In dem Moment konnte ich ihr leider auch nicht helfen (weil ich eben gerade am Klo putzen war), aber kurz vor dem Essen hab ich ihr dann geholfen.
Letztens habe ich ein Gespräch von zwei Teenies im Supermarkt mitbekommen. Die eine hat auf eine Maggi-Flasche gezeigt und hat der anderen erklärt: "Das machen die Deutschen überall mit rein! Sogar in die SUPPE!" :D
Am Wochenende waren wir bei Gilles zuhause eingeladen, weil seine Frau Geburtstag hatte. Es gab viel Kuchen und kalten Kaffee aus Glaßtassen (das ist immer so, wenn wir dort sind). Danach mussten wieder alle Kinderspiele spielen. Davor graut es immer allen. Marie-Claire und Patricia haben sich schnell verdrückt und sind spazieren gegangen, aber eigentlich war es ganz witzig. Bei einigen Spielen verstehe ich den Sinn nicht ganz, außer Tiergeräusche nachmachen, aber gut. Die 5 Racker kann man aber auch nicht anders beschäftigen. Aber unsere Leute haben ja auch Spaß dabei.

Ich konnte nicht 10 Minuten warten, bis Marie-Claire mit Schuhe binden fertig ist ;-)
die "Post" ist leider nicht die echte Post von Bergues

das gemütliche Restaurant
Letztens habe ich ein Gespräch von zwei Teenies im Supermarkt mitbekommen. Die eine hat auf eine Maggi-Flasche gezeigt und hat der anderen erklärt: "Das machen die Deutschen überall mit rein! Sogar in die SUPPE!" :D
Am Wochenende waren wir bei Gilles zuhause eingeladen, weil seine Frau Geburtstag hatte. Es gab viel Kuchen und kalten Kaffee aus Glaßtassen (das ist immer so, wenn wir dort sind). Danach mussten wieder alle Kinderspiele spielen. Davor graut es immer allen. Marie-Claire und Patricia haben sich schnell verdrückt und sind spazieren gegangen, aber eigentlich war es ganz witzig. Bei einigen Spielen verstehe ich den Sinn nicht ganz, außer Tiergeräusche nachmachen, aber gut. Die 5 Racker kann man aber auch nicht anders beschäftigen. Aber unsere Leute haben ja auch Spaß dabei.
Am Sonntag haben wir einen Ausflug nach Bergues gemacht. Dort wo der Film "Willkommen bei den Sch´tis" gedreht wurde
Ich konnte nicht 10 Minuten warten, bis Marie-Claire mit Schuhe binden fertig ist ;-)
die "Post" ist leider nicht die echte Post von Bergues
das gemütliche Restaurant
die Glocken des Beffroi
Ich kenne jetzt auch, dank Marie-Claire, einen französischen Hitverhöhrer bei "Last night a DJ saved my life", aber einen ziemlich schlechten.
Montag, 17. Februar 2014
Zwischenseminar
Das Zwischenseminar war super! Es war schön, die meisten wieder zu sehen. Der andere Teil bestand aus den internationalen Frewilligen, die ihren Dienst in Deutschland machen, aber einige von den deutschen Freiwilligen kannten sie schon vom Vorbereitungsseminar. Natürlich stand erst mal "Einführung ins Programm", "Erfahrungsaustausch" und "Analyse vom Erfahrungsaustausch" auf dem Programm. Typisch deutsch natürlich, damit waren schonmal die ersten zwei Tage gefüllt. Für den Rest gab es Ausflüge nach Pirna Sonnenstein an eine Gedenkstätte, nach Leipzig ins zeitgeschichtliche Forum, hatten Pilates- und Rückenschulung Workshops und haben uns zwischendurch ständig über unseren Dienst ausgetauscht. Erstaunlich war es vorallem zu sehen, wie ähnlich die Berichte der Arche-Leute waren!
Pirna
Vorbereitung Länderpräsentation ... oder kurz davor ;-)
Pausen wurden gut genutzt
abends in Dresden
Uni
europäische Spezialitäten
Mittwoch, 29. Januar 2014
Ich komme zurzeit so selten zum schreiben, aber dieser Eintrag hier wird auch der letzte bis Mitte Februar sein. Ab Samstag (freitags abends fahre ich allerdings schon los) bin ich für 9 Tage auf meinem Zwischenseminar in Dresden. Unglaublich, dass jetzt schon bald Halbzeit ist, aber ich freue mich total darauf alle wiederzusehen. Manche habe ich zwar wieder im November beim Seminar vom ICE francophone getroffen, aber andere jetzt ein halbes Jahr lang nicht. Denen wirds nicht anders ergehen wie mir, sie haben auch nicht viel Zeit für ausgiebige Gespräche mit anderen Freiwilligen vom ICE, wir sind ja auch auf ganz Europa verteilt. Ich erinner mich wirklich noch genau an die Momente, wo wir uns alle nochmal umarmt haben, uns ein gutes Jahr gewünscht haben und man sich mit den Worten "Wir sehen uns dann beim Zwischenseminar und wenn nicht, dann zum Schlussseminar". Da konnte sich noch keiner wirklich vorstellen, wo er landen wird und was wir bis zum Zwischenseminar alles erleben werden. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass ich die Arbeit hier nach dem Seminar wieder mehr zu schätzen weiß, nachdem ich mit anderen gesprochen haben, die auf völlig andere Lebensumstände getroffen sind.
Noch kurz eine Übersicht, was ich in den letzten Tagen gemacht habe
Montag hatte ich frei und war das erste Mal hier im Schwimmbad. Es war schön mal wieder was für mich zu machen und sich nur auf sich selbst zu konzentrieren brauchen/ müssen.
Kein Vergleich zur Arbeit im Sentier. Da war ich gestern wieder und diesmal ging es nach Calais in ein großes Einkaufszentrum (wo ich auch schon mit Patricia war). Mir gefällt es, dass ich dorthin komme und dort mit rein gesteckt werden, wo gerade eine Aufsichtsperson fehlt. Auch fühle ich mich da eher als "Freiwillige", da wir dieses "Experiment" freiwillig in unserer Pause machen. Außerdem verstehe ich mich mit den Mitarbeitern dort total gut, Laurence bedankt sich jedes Mal, wenn ich gehe und mich verabschiede.
Gestern fuhr ich also mit Francois und 5 Bewohnern in einem Gefährt, das noch größer ist als unsere Transporter, auch wesentlich älter ist und dort, wo normalerweise die Sitzreihen sind, befindet sich eine Art Ladefläche. Unser Auftrag war es nämlich, für das Atelier Sachen zu kaufen. Ich konnte nicht ahnen, dass wir den ganzen Bestand an Bügelperlen im Spielzeugladen leerkaufen und das mal so für schlappe 250€. Eve, ein Autist im Foyer, macht nämlich nichts anderes als diese Bügelperlen. So ein Vorrat reicht bei ihm auch gerade mal für einen Monat. Dann haben wir noch Papierblöcke gekauft, da habe ich auch keine Ahnung wie wir da auf 300€ kommen konnten. Danach waren wir einen Kaffee trinken. Da musste allerdings jeder hintereinander aufs Klo, sodass ich also nur Leute vom Tisch zur Toilette und zurück begleitet habe. Einmal habe ich den Fehler gemacht und war selbst auf der Toilette, während Serge und Clement auf dem Männerklo waren. Ich hab mich auch extra beeilt, damit ich vor den zwei fertig bin. Aber als ich wieder nach draußen kam, habe ich nur Clement angetroffen. Da Serge im Männerklo nicht zu finden war, dachte ich er wäre schon zurück gelaufen. Also bin ich mit Clement zurück, da war Serge natürlich nicht, also ich wieder zurück zur Toilette (der Weg führte einmal um eine Kurve in einem leeren Restaurant). Da hab ich Serge schon herumirren gesehen, wie er gerade auf den einzig besetzten Tisch zugelaufen ist. Ich bin dann wild gestikulierend auf ihn zu, weil Namen rufen bringt eigentlich nie etwas.
Morgen bin ich bei der Colombe (mit denen ich in Trosly war) zum Essen eingeladen. Marie-Gilles kam letzten Mal im Sentier auf mich zu (sie marschiert immer richtig schnell) und hat mich eingeladen, zwar so, dass ich es erst beim 3. Rateversuch verstanden habe, aber das hätte ich von ihr überhaupt nicht erwartet. Vorallem weil sie während dem Urlaub nicht wollte, dass ich sie beim Duschen begleite. Auch heute während der Messe stand sie in der Reihe schräg vor mir, dreht sich um und meint "du kommst Donnerstag?" Ich hab erstmal nicht gecheckt, dass ich gemeint bin, weil sie schielt und ihre Augen nie in die gleiche Richtung schauen. Das sind dann wirklich die Momente, wo die Personen einen mit ihrem plötzlichen Interesse überraschen. Es ist schwer einzuschätzen, was sie jetzt von einem halten, weil sie sich oft widersprüchlich verhalten.
Bei unseren Leuten im Foyer ist das zwar anders, aber es gibt auch so unerwartete Aktionen. Bsp: Valerie, Aline und ich sitzen im Büro und unterhalten uns wegen der Organisation, und wenn Aline da ist, ist immer sie die Ansprechperson und die, die auch am meisten Ahnung hat. Zwar war die Frage nur "Wie viele Personen sind wir heute Abend" (sie war gerade am Tisch decken) und Aline hat automatisch geantwortet und laut die Personen aufgezählt, die da sind. Ich hab überhaupt nicht groß Acht gegeben und Patrica den Rücken zugekehrt, auf einmal sagt sie "Sophia!" (immer eine große Freude, wenn man hier mit Namen angesprochen wird" "Wie viele Personen sind wir heute Abend?" Angeblich bin ich jetzt Patricias Bezugsperson, deshalb bin ich jetzt ihre Begleitung für ein "Erholwochenende" für die Personen in der Nähe von Paris. Angeblich macht man dort viel stillschweigend, um Zeit zum Nachdenken zu haben usw... Ich bin noch etwas skeptisch, aber ich glaube, Patricia wird das gefallen.
Mittwoch, 22. Januar 2014
Auf ein Neues
Ich hatte wundervolle 10 Tage Urlaub, den ich zuhause verbracht habe. Danke an alle, die ich treffen konnte und die sich Zeit genommen haben. Es hat keinen Tag gedauert, da habe ich mich wieder so gefühlt, als wäre ich nie weg gewesen. Umso schwieriger ist es, wieder hierher zu kommen. Das beruhigende ist allerdings, dass immer Arbeit auf mich wartet (also bleibt mir nicht viel Zeit meinem Leben hinterher zu trauern) und dass sich nichts verändert hat. Clément hat mich damit begrüßt, dass beim roten Auto das Licht kaputt gefahren worden ist (auf meine Frage, wer es denn gewesen sei, konnte er mir aber bedauerlicherweise keine Antwort geben). Danach hat er mir seine Bilder gezeigt, die er in der Zeit im Atelier gemalt hat. Wie zu erwarten ein Haus in Blau, eins in Rosa, eins in Braun usw...
Der Dienstag (also vorgestern) kommt mir schon wieder so weit weg vor. Ich habe mich wirklich so gefühlt, als würde ich mehrere Welten durchqueren. Und das lag noch nicht mal an der langen Fahrtzeit, sondern viel mehr daran, dass ich nachts in Frankfurt gestanden habe und mit 20 anderen Leuten auf den Bus gewartet habe. Es ist unglaublich, wie viele Busse nachts vom Frankfurter Bhf aus in alle möglichen Richtungen fahren. Im Bus bin ich immer mal wieder aufgewacht und habe immer gegen dieselbe Nebelwand gestarrt. In Brüssel habe ich mich auf die Suche nach einer öffentlichen Toilette im Bahnhofsviertel gemacht, allerdings öffnen die erst um 6 Uhr morgens. Ich war froh, als ich vormittags wieder in meinem vertrauten Zimmer stand und mich nochmal für eine Stunde hinlegen konnte. Mit dem Santier (dort wo die schwerer Behinderten arbeiten) habe ich nachmittags einen Ausflug zu einem Tierheim gemacht. Schon allein die Leute zusammen zu bekommen, ist viel Arbeit. Zwei haben sich mal wieder gestritten, wer vorne sitzen darf. Das läuft dann so ab, dass sich einer einfach dorthin setzt und der andere lautstark protestiert (da können sie aufeinmal richtig deutlich sprechen und "Nein ich will nicht hinten sitzen" sagen). Dann ist auch alles diskutieren und gut-zureden sinnlos. Das Beste war dann, dass Lucile, die alles in Zeitlupe macht und sich nicht aufspielt um vorne zu sitzen fragt "Und was mache ich?" Sie konnte ich dann schonmal gut hinten hin verfrachten, während der andere Mitarbeiter eine andere Person gesucht hat, die noch mitkommt, da die zwei Streithähne einfach wieder rein gegangen sind. So waren wir im Endeffekt nur zu 4. und haben einen Hund Gassi geführt. Also das sah wie folgt aus: Lucile hat die Leine in der Mitte festgehalten, der Mitarbeiter vom Santier hat das Ende genommen, damit der Hund nicht davon gestürmt ist. Die andere Hand hat er Patrik (der 2. Bewohner) gegeben, der Angst vor Hunden hat und ich hing noch auf der anderen Seite. Ich mache mir schon gar keine Gedanken mehr, wie so eine Art von Kette bei anderen Spaziergänger ankommt. Patrik kann kaum sprechen und hat die ganze Zeit was mit "gaga" gesagt. Erst dachte ich, er müsste aufs Klo, aber er meinte unser Mini-car (was dieses Mal eigentlich ein normales Auto war) und wollte damit sagen, dass er wieder zurück möchte. Auf halbem Weg haben wir noch einen Kaffee getrunken und mussten Patrik zurückhalten, der auf die anderen Bar-Besucher (Betrunkene zur Nachmittagszeit) mit wedelnden Armen zugelaufen ist. Bei ihm ist es echt schwer, weil er teilweise aggressiv wird und sich die Ohren zuhält und anfängt zu schreien, wenn ihm was nicht passt. Mit ihm kann man leider nicht anders umgehen, außer dass man ihm sagt, er soll aufhören und ihn wegzieht. Lucile ist da schon angenehmer, obwohl ihre Langsamkeit auch anstrengend ist. Sie läuft wie eine Schnecke über die Straße (da bin ich allen geduldigen Autofahrer dankbar) und wenn man ihr eine Frage stellt, dauert es ein Weilchen bis die Frage bei ihr ankommt und sie Reaktionen zeigt.
Ganz anders ist es dann, wenn ich in wieder in unserm Foyer bin. Da kommt Stephane auf mich zugestürmt, Marie-Claire nervt mich mit ihrem Dauerthema der "sécurité" und die cholerische Stephanie brüllt rum, warum denn um alles in der Welt die Waschmaschine belegt ist (sorry, mein Fehler...).
Alles in allem also wieder der typische Arbeitsalltag. Im Moment sind auch nur Giulia und ich da. Heißt wir haben mehr zu tun, können uns die Aufgaben aber besser aufteilen.
Samstag, 4. Januar 2014
Hallo ihr Lieben, ich hoffe ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen. Bei mir war es irgendwie anders als sonst, aber das könnt ihr euch ja sicher denken. Wir haben zum Glück mit einer anderen Urlaubsgruppe in Trosly zusammen gefeiert. Das Foyer dort war riesig, sodass wir locker mit 18 Mann am Tisch Platz hatten. Leider wollten schon die ersten um 10 Uhr zurück zu unserem "Gast-foyer" fahren. Einer hat sogar Magenkrämpfe vorgetäuscht, aber wir sind hartnäckig bis um 0:30 geblieben. Den Countdown haben wir zwar verpasst (die Raucher draußen vor der Tür auch) und auch sonst haben wir nichts von den Silvester-Traditionen gemacht, wie wir sie kennen, aber wenigstens konnten wir mit Champony (alkoholfreier Sekt mit Geschmack) anstoßen. Am 1. haben wir ein Neujahrskonzert besucht, am 2. waren wir im Kino und danach im Restaurant und am 3. sind wir schon wieder zurück nach Ambleteuse gefahren. Das mag sich zwar im ersten Moment entspannt anhören, aber ich hatte wirklich keine entspannten Tage. Wir konnten zwar immer lange schlafen, aber so gut wie nie eine Pause nehmen, weil die Leute ständig um einen herum sind. Als ich einmal für 10 Minuten auf meinem Zimmer war um meinen Koffer zu packen, hat der eine schon meinen Namen gerufen (soweit er ihn aussprechen kann) und kam irgendwann auch hoch und stand dann in meiner Tür und hat mir zugeguckt. Privatsphäre hatten man dort kaum, da war ich froh, als ich an meinem Geburtstag frei hatte und Jan mich besucht hat. Die Rückfahrt verlief relativ problemlos. Diesmal haben wir nicht den Kassenzettel an der Mautstelle vergessen und haben uns sogar 1,50€ gespart. Dafür sind wir aber auch eine Stunde in der Landschaft herumgeirrt, weil unser Navi (das einzige für 3 Fahrzeuge) mal wieder etwas planlos war. Also wenn man nicht unbedingt darauf angewiesen ist, würde ich es nicht empfehlen zwei weiteren Autos folgen zu müssen. Als wir dann endlich nach ca. 5 Stunden heil in Ambleteuse angekommen sind (der Sturm hat uns auch nochmal für eine halbe Stunde auf eine Raststätte gezwungen), konnte ich sofort weiter zum nächsten Foyer und meine Leute einsammeln. Anstatt einem "Schön dich zu sehen" habe ich von Marie-Claire erstmal ein freundliches "Du musst meinen Koffer die Treppe runter zum Auto tragen, ich kann das nicht! erhalten. Überhaupt habe ich an diesem Tag nur als Fahrer, sowie Ein- und Auslader gedient. Valerie, Giulia und ich haben aber schon beschlossen, dass wir in diesem Jahr rebellischer sind und uns nicht als Putzfrau, Köchin, Babysitterin oder Chauffeurin ausnutzen lassen. Ich kann zwar noch nicht auf Französisch schimpfen, aber zur Zeit eigne ich mir das an. Einer aus der Urlaubsgruppe hat mich so aufgeregt, weil er immer vorne sitzen wollte, aber ständig irgendwelche Lichter angemacht und Knöpfe gedrückt hat. Als er zum dritten Mal zum Auto gerannt (!!) ist und trotz meiner Rufe sich reingesetzt hat und die Tür zugeknallt hat, als ich gerade meine Hand dazwischen halten wollte, habe ich ihn angeschrien und hätte ihn auch fast aus dem Auto gezerrt, hätten wir nicht nur 5 Minuten fahren müssen. Im Restaurant hat er sich dann wieder neben mich gesetzt, als wäre überhaupt nichts gewesen, hat ständig seinen Kopf auf meine Schulter gelegt und dabei "Mama" gesagt (das sagt er immer, wenn er anhänglich wird). Das ist das Problem mit den Leuten hier in der Arche. In der einen Sekunde beschimpfen sie dich und sagen richtig gemeine Dinge wie "das sage ich XY (unsere "Vorgesetzten"), wie du dich verhälst, ich bin so froh, nicht mit dir in einem Foyer zu sein". Und im nächsten Augenblick kommen die an und sagen einem, wie gerne sie einen haben. Da fühlt man sich einfach nur verarscht und kann nur gezwungen dazu lächeln. Das ist dann nicht so, wie man sonst immer hört, "die Menschen geben einem so viel", sondern das sind Menschen, die durchaus klar denken können und ihr Verhalten kontrollieren können. Es ist so schwer, die Behinderung einzuschätzen. Im Prinzip sind das Menschen, mit denen niemand zusammen leben will, weil sie eigensinnig und egoistisch sind und sich nicht die Mühe geben, andere zu verstehen oder sich in sie hineinzuversetzen, obwohl sie sonst zu allem in der Lage sind. Heute z.B. hat Stéphane 3 Stunden lang laut Musik gehört und auch noch telefoniert und er schreit und redet noch schneller als sonst am Telefon. Ich hatte mich zu der Zeit kurz hingelegt, weil ich seit langem mal wieder eine Mittagspause hatte. Nachdem ich schon eine halbe Stunde wütend vor mich hingeschmollt habe, bin ich zu ihm und habe ihn darum gebeten, aufzuhören oder leiser zu sein. Natürlich hat er keins von beidenn gemacht, obwohl er das sehr wohl versteht. Er hat sich zwar später entschuldigt, als Giulia ihn darauf aufmerksam gemacht hat, nachdem ich schlecht gelaunt runter gekommen bin, aber man hat einfach gemerkt, dass er das überhaupt nicht ernst gemeint hat und überhaupt nicht darüber nachgedacht hat, dass er andere mit seinem Krach stören könnte.
Auch wenn es schwer nachzuvollziehen ist, muss ich darüber berichten, weil das u.a. ein Thema ist, worüber man hier viel nachdenkt.
Und wenn ich von jemandem, der für 1 Stunde eine Behindertenwerkstatt besucht hat, höre, dass es einen glücklich macht, wenn sie einen anlächeln, dann werde ich denjenigen erstmal auffordern, mit Menschen mit Behinderung zusammen zu wohnen. Man mag sie vielleicht im ersten Moment niedlich finden, aber man darf sie nicht so behandeln und vorallem ihr Verhalten nicht verallgemeinern. Man muss versuchen, die Behinderung auszublenden und versuchen diesen Menschen einzuschätzen. Und wenn man mit demjenigen nicht gut klar kommt, dann darf man sich ihm gegenüber auch nicht verstellen.
Auch wenn es schwer nachzuvollziehen ist, muss ich darüber berichten, weil das u.a. ein Thema ist, worüber man hier viel nachdenkt.
Und wenn ich von jemandem, der für 1 Stunde eine Behindertenwerkstatt besucht hat, höre, dass es einen glücklich macht, wenn sie einen anlächeln, dann werde ich denjenigen erstmal auffordern, mit Menschen mit Behinderung zusammen zu wohnen. Man mag sie vielleicht im ersten Moment niedlich finden, aber man darf sie nicht so behandeln und vorallem ihr Verhalten nicht verallgemeinern. Man muss versuchen, die Behinderung auszublenden und versuchen diesen Menschen einzuschätzen. Und wenn man mit demjenigen nicht gut klar kommt, dann darf man sich ihm gegenüber auch nicht verstellen.
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