Dienstag, 8. Oktober 2013

Heute war das Wetter wieder fantastisch! Ich saß im dicken Pulli (heute Morgen sah es noch sehr nach Regen aus) und mit meinem Buch vor Gilles Büro in der Sonne und habe gewartet, bis er Zeit für unser Gespräch hat. Einmal kamen 2 Frauen an mir vorbei, davon eine Bewohnerin und ich konnte nicht aufhören, sie zu beobachten. Ich kenne sie von Sehen und sie hat immer bunte Sachen an, lächelt ununterbrochen, wirkt dabei aber total verunsichert. Sie hakt sich immer bei ihrer Begleiterin unter und weicht kaum von ihrer Seite. Als sie heute kurz alleine warten musste, stand sie erst orientierungslos herum. Sie schielt und es scheint, als ob sie sich nervös in der Gegend umschaut. Dann hat sie sich auf einen Stuhl gesetzt und wie ein Kind ihre Fersen zusammengeschlagen und ab und zu unsicher gelacht. Mich wüsste gerne, wie sie die Welt wahrnimmt und was sie denkt, wenn ein fremdes Mädel sie fasziniert anstarrt. Das passiert mir auch oft in der Messe. Ich stehe da und schaue mir einzelne Personen länger an (natürlich starre ich nicht aufdringlich) und stelle mir vor, wie es wäre, in diesem Moment in ihrer Haut zu stecken. Den Pfarrer zu hören und zu verstehen was er sagt, aber das Gesagte doch nicht ganz begreifen können. Wahrscheinlich ist es wie ein Rätsel, dass man ständig versucht zu lösen, vielleicht kommt daher diese Rastlosigkeit.

Wenn ich mir unsere Bewohner im Vergleich angucke, freue ich mich immer über ihre Selbstständigkeit und bin erstaunt was sie alles können. Heute hat Brigitte (ich nenne sie ab jetzt beim Namen, die Zahlen habe ich mir eh nie gemerkt) von einem anderen Haus, in dem sie essen sollte, angerufen. Ich bin ans Telefon und habe mit ihr mein erstes richtiges Telefonat geführt. Leider war es eine Diskussion darüber, dass sie dort bleiben und essen soll und ich sie erst später abhole. Valerie und Guilia standen dabei vor mir und haben mir über Gesten Mut gemacht, nicht aufzugeben. Sie hat mit ihrer knottrigen Stimme andauernd gesagt, dass sie nicht bei der Garenne essen möchte, sondern bei der Bergerie. Ich soll sie abholen. Jetzt. Nein, nein, ich esse da nicht! ... So ging das hin und her und ich habe ihr erklärt, dass ich mit Amanda die Küche mache und sie erst nach dem Essen abholen kann. Sie hat sich natürlich nicht überzeugen lassen, also habe ich eine Assistentin ans Telefon bestellt (ich habe gehofft, es wäre Gabriel, ein neuer Deutscher) und habe ihr erklärt, dass ich Brigitte später abholen werde. Ich habe auch nochmal nachgefragt, ob das in Ordnung wäre und sie auch genug zu essen hätten. Als ich aufgelegt hatte, war ich so happy, dass ich das ganze alleine geschafft hatte. Allerdings (wie es so oft hier der Fall ist) musste ich sie letztenendes doch vor dem Essen abholen, da sie ihre Medikamente nicht dabei hatte. Als ich sie dann mit hängendem Kopf in der Küche bei der Garenne sitzen gesehen hab, tat sie mir so Leid, dass ich mich entschuldigt habe. Sie hat gemeint, dass es nicht schlimm wär. Ich hatte echt schon damit gerechnet, dass sie sauer ist und mich komplett ignoriert, wie immer, wenn ihr etwas nicht passt. Als wir zurückgefahren sind, lag meine Hand auf dem Schaltknauf und dann hat sie ihre Hand kurz auf meine gelegt und mit ihrer rauen und sonst so unverständlichen Stimme "Es tut mir Leid" gesagt. Das hat mich sehr berührt, vorallem weil sie mich sonst oft nervt, wenn sie durch den Flur schlurft und schlecht gelaunt ist. Dank ihr habe ich auch den ersten wunderschönen Sonnenuntergang hier gesehen. Ich bin extra langsam gefahren, um den Anblick der tiefstehenden Sonne und den lila Wolkenbändern möglichst lange zu genießen. 

Montag, 7. Oktober 2013

jour de congé avec VallePalle

Hallo meine Lieben! Ich hatte heute einen tollen freien Tag, den ich mit Valerie aus Ambleteuse verbracht habe. Diese Stunden tun einem total gut. Abgesehen von unserem kleinen Abenteuer, hatten wir viel Zeit uns über die Arbeit hier zu unterhalten. Es ist schwierig, das richtige Mittelmaß zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit zu finden. Es gibt Momente, in denen die Arbeit einen komplett einnimmt und man sich wirklich fragt, ob man das ein ganzes Jahr durchhält. Wenn man am an den Wochenenden abends alleine im Zimmer sitzt, obwohl man doch lieber mit seinen Freunden zuhause weggehen würde, fragt man sich doch, ob man wirklich gebraucht wird, oder einfach wieder zurück gehen könnte, ohne dass hier etwas fehlt. Auf der anderen Seite gibt es auch oft diese Momente, wo man jede freie Minute auskosten möchte, weil die Zeit hier eben begrenzt ist. Man muss lernen, realistisch zu denken und sich trotzdem auf die schönen Erlebnisse konzentrieren. Das Schlimmste sind wirklich überengagierte Freiwillige, die am Liebsten gar keinen Kontakt mit ihrer Heimat hätten, um das Jahr besser auskosten zu können. Schwachsinn sowas. Leider wird sowas auf den Seminaren immer wieder verbreitet. 
So zurück zu meinem Tag. 

Gegen Mittag bin ich mit Valerie und Guilia nach Ambleteuse gefahren und wollte Valerie von der Clairiere abholen. Dort wurde mir aber gesagt, dass sie schon runter zum Strand gelaufen ist. Gut, dachte ich mir, wirst sie schon finden, der Strand ist zwar ewig lang, aber dennoch wird sie an dem Platz sein, wo wir vor ziemlich genau einem Monat auch gelegen haben. Und genauso war es auch. Die Verrückte lag da im Bikini und war weit und breit der einzige Strand Besucher. Es war Flut und wir wollten auf die andere Seite vom Fluss, der an dieser Stelle ins Meer fließt, um am Strand spazieren zu gehen.


"Dort hinten ist eine Brücke, ich kenne mich aus. Immer mir nach!"


"Irgendwo hier muss sie sein. Es gibt zwar eine Straße, aber wir laufen durch die Dünen, das ist schöner"


"Mhh, dann muss sie wohl noch weiter hinten sein."

 

keine Brücke in Sicht ... dann also doch durch den Fluss


Auch ohne Hose, ist das Wasser zu tief... Also wurde sich wieder angezogen, und wir sind zurück zur Straße gelaufen. Aber was man dadurch alles zu sehen bekommt... 

 Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg. Die Deutschen versuchen die Alliierten am Erreichen des europäischen Kontinents zu hindern.  

 die Straße wurde erreicht. Zum Glück wurden wir unterwegs von Antoine aufgegabelt, der uns dadurch 15 Minuten Fußweg ersparte. 


 
die andere Seite des "unüberquerbaren" Flusses

 
Picknick in den Dünen mit Blick aufs Meer

Ob wir es wohl trotz Warnschilder dort hinauf schaffen?


Der Ausblick ist überwältigend!


Egal von welcher Seite! Grüne Felder, Dünen, Sandstrände, Steilküsten und das Meer..

Was will man mehr?






Die Küste von England

Ihr seht ja selbst, der Tag heute hat sich richtig gelohnt! Vorallem weil das Wetter noch so super ist, ich hoffe, auch ihr zuhause habt noch ein paar Tage Sonnenschein.


Nachdem wir wieder zurück waren, sind wir in Boulogne erst in die Stadt zu dem Second-Hand Shop gefahren und danach haben wir am Bahnhof meine Ermäßigungskarte und Valeries Ticket nach Paris gekauft.  Dann waren wir noch beim Auchan, weil wir dort beide nur noch selten hinkommen. Wir kaufen nämich ab jetzt im Intermarche ein, weil es dort angeblich billiger wäre. Als ich Valerie dann gegen 9 Uhr zurück nach Ambleteuse gefahren habe, haben wir wieder mal festgestellt, wie schön doch unsere Stelle hier ist und wie praktisch, wenn man Auto fahren kann! 




Samstag, 5. Oktober 2013

petit tour en ville

Der erste Tag des Wochenendes ist geschafft. Es ist so anstrengend, wenn immer alle Personen da sind. Einige wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden, andere brauchen dafür umso mehr Aufmerksamkeit. Für uns heißt das doppelte Arbeit. Heute haben wir jede Minute des Tages geplant, damit jeder von uns drei mindestens 1,5 Stunden Pause hat. Ich war dann mit 4 Leuten in der Stadt gewesen. Dafür, dass wir nur bei Ives Rocher und einer Art MediaMarkt waren, haben wir fast 2 Stunden gebraucht. Bei Ives Rocher haben wir erstmal einen Großeinkauf gemacht, da haben auch meine Kommentare "Das ist zu teuer" & "Sicher, dass ihr davon nichts mehr zuhause habt?" nichts geholfen. Das Geld von den Personen verwalten wir eigentlich auch, dennoch hat jeder ein eigenes kleines Portemonnaie. Stéphane hat nur nach einer CD mit "Papaoutai" drauf gesucht, was er ständig vor sich hinsingt. Heute Morgen z.B. stand er vor dem Radio und hat "papaoutai" vor sich hingemurmelt. 
Gestern waren die anderen neuen Assistenten zur Sicherheits-Info hier und wir haben zusammen gegessen. Eine Hausbesichtigung gab es auch, da noch kaum jemand hier war, weil es wie gesagt nur ein Foyer gibt. Mein Zimmer hat auch jeder indirekt besichtigt, da uns nämlich der Alarm-Kasten gezeigt und erklärt wurde, der in jedem Foyer in einem Zimmer der Assistenten hängt. Ich hatte mich auch schon gefragt, was das für ein komischer Kasten ist. Das Einzige, was ich damit gemacht habe, war ein kleines pinkes Zettelchen vor den leuchtenden Punkt zu kleben, der mich nachts gestört hat. Aber gut, dass ich vorher mein Zimmer aufgeräumt hatte. Mit 20 Leuten hier im Zimmer, kann man sich nämlich kaum noch bewegen. 
An sich läuft es ohne David ganz gut. Julie hat heute bei dem Spaziergang ständig "cooles Wochenende" gesagt. Allerdings weiß ich nicht genau, ob das darauf bezogen war, dass der Chef nicht da ist (heute Morgen beim Frühstück war sie noch sehr traurig darüber gewesen), oder sie hat sich darüber lustig gemacht, dass ich mir eine Entspannungs CD gekauft habe. Also eigentlich sind es sogar 4, die gab es in einer Box für 10€. 

Freitag, 4. Oktober 2013


Das Internet funktioniert nicht, deshalb wird das hier erst morgen veröffentlicht. Oder hoffentlich in den nächsten Tagen. Denn ab Samstag hat David 15 Tage frei und was bis dorthin nicht funktioniert, funktioniert 15 Tage nicht. Morgen will der Antoine nach dem Trockner gucken. Meine Klamotten gammeln darin jetzt schon seit Montag vor sich hin. Heute habe ich meinen Kontostand an einem Bankautomaten abgerufen und es hat doch tatsächlich auf Anhieb funktioniert. Ich war so froh darüber, dass der Geldtransfer geklappt hat und der Automat meine Karte wieder rausgerückt hat. In Frankreich rechne ich schon immer damit, dass Dinge nicht funktionieren. Beim Abendessen ist das auch so eine Sache. Ich halte jedes Mal die Luft an, ob das Essen für alle reicht. Heute waren wir 14 Personen, weil Valeries Eltern zu Besuch sind und mit uns gegessen haben. Morgen Mittag ist die Info-Veranstaltung für die Assistenten, die sonst immer in Ambleteuse stattfindet, bei uns in der Bergerie. Ich bin mal gespannt, wie über 20 Leuten in unserer Küche zusammen kochen wollen und ob überhaupt alle am Esstisch Platz haben. Abends kommt dann wieder einmal die Großfamilie D. zu Besuch. Da mache ich meine berühmt-berüchtigte Suppe, in die ich alles reintue, was mir in die Finger kommt. Auf das Mittagessen mit allen neuen Assistenten freue ich mich schon richtig. Man lernt sich so schnell kennen, weil die Arbeit und die neuen Erfahrungen uns verbinden. Wenn Valerie und ich in Ambleteuse sind, schauen wir meistens bei mindestens einem anderen Foyer vorbei. Dann kommt das typische „Salut! Ca va?“ + Küsschen links, rechts und man bekommt meistens noch etwas zu Trinken angeboten. Heute waren wir bei der Clairiere, um für die andere Valerie Post abzugeben, die immer bei uns im Postfach landet, da die Postverteiler nie auf den Nachnamen achten. Sie hat gerade Mittagspause gemacht und war auf ihrem Zimmer, als wir hereinkamen hat sie witzigerweise gerade meinen Blog gelesen. Dadurch, dass wir jederzeit die anderen Foyers besuchen können, fühlt man sich richtig eingebunden in die Community. Die Assistenten von der Colombe (also immer wenn französische Wörter mit Artikeln davor auftauchen, handelt es sich um ein Foyer ;-) sitzen nach dem Mittagessen immer vor ihrem Haus und rauchen. Zu ihnen habe ich mich vorgestern gesellt, als ich in Ambleteuse vergessen wurde.
Also eigentlich ist jeden Tag so viel los, dass ich gar nicht alles erzählen kann. Gestern Abend z.B. war der Abschiedsabend für diejenigen, die nach Bangladesch fliegen. Wenn man mich fragt, viel zu viel Tamtam um 7 Leute, die 2 Wochen weg sein werden. Sie wurden in der Messe sogar von allen gesegnet. Auf jeden Fall haben die beiden Valeries und ich spontan bei einer Modenschau mitgemacht, bei der wir Kleider und Tücher angezogen bekommen haben, die die Gäste aus Bangladesch mitgebracht hatten. Man erlebt immer eine Überraschung, wenn man zustimmt ohne verstanden zu haben, um was es geht. Dann hat die Verantwortliche für die Arche in Bangladesch Personen aus dieser Einrichtung vorgestellt und da habe ich tatsächlich bei der französischen Übersetzung mehr verstanden, als das, was sie zuvor auf Englisch gesagt hat. Anschließend haben die „Madness-Frauen“ noch eine Vorstellung gegeben, bei der ich mitmachen musste. Erst war ich etwas schockiert, dass wir zu 10. vor 70 Leuten rumhampeln, aber dann haben die meisten irgendwie mitgemacht. Wir waren alle so müde, als wir nach dem Crêpe-Essen im Auto saßen. Nur Nr. 5 hatte mal wieder eine ihrer Panikattacke, da sie festgestellt hat, dass es 9 Uhr abends ist und sie noch nicht den Kaffee für den nächsten Morgen vorbereiten konnte. Die nächste folgte schon heute, als sie ihren Schlüssel nicht gefunden hat. Dann stellt sie alles auf den Kopf und redet aufgebracht vor sich hin. Ich saß noch gemütlich am Kaffeetisch und habe heimlich gezählt, wie oft sie an der offenen Tür zum Esszimmer vorbeigestürmt ist. Da habe ich gesehen, dass etwas aus ihrer Gesäßtasche baumelt und das war dann tatsächlich ihr Schlüssel mitsamt Kuscheltieranhänger. 

Dienstag, 1. Oktober 2013

Hallo ihr Lieben! Es tut mir Leid, dass ich eine Ewigkeit nicht mehr gebloggt habe, aber ich hatte die letzten Tage mein erstes freies Wochenende. Das wurde auch wirklich Zeit, denn davor war ich so gestresst und genervt von jedem hier. Die Denkweise der Franzosen muss man nicht immer verstehen. Da werden Valerie und ich beispielsweise mit einem geplanten Enten-Orangen Braten alleine gelassen (ich dachte das gäbe es nur an Weihnachten). Aline hat tagelang mein altes Zimmer gestrichen, in das bald eine neue Bewohnerin einzieht. Allerdings wurde dabei nicht bedacht, dass Weiß über Blau nicht wirklich deckt. Und dann wird uns kurzfristig mitgeteilt, dass wir eine neue Assistentin bekommen, von der nur Name und Herkunft bekannt war (Guilia aus Italien). Als sie ankam hat sich herausgestellt, dass sie 26 ist und schon im sozialen Bereich gearbeitet hat. Klar, dass sie besser behandelt wird als wir. Wir sind jetzt die neue Unterklasse der Assistenten, denn Italiener und Osteuropäer sind hier viel beliebter als Deutsche. 
So lag ich also am Freitagmorgen krank im Bett und habe mich selbst bedauert. Zum Glück konnte ich mich den Tag über ausruhen und musste nur das Nötigste machen, damit ich mein Wochenende nicht wie ein Häufchen Elend im Bett verbringen musste. 
Mein Freund hat mich besucht und musste gleich feststellen, dass man nicht unbemerkt vor unserem Haus parken kann, ohne dass alle neugierig zum Fenster stürmen.Unser Hotel war nicht mehr als 5 Minuten Fahrt von unserem Haus entfernt, sodass wir schnell wieder in der Stadt waren. Das Wichtigste hatten wir aber sowieso vor der Haustür. McDonalds und unser Auchan. So, und dank Omas Brot (Danke Oma!), konnten wir nicht verhungern. Es hat super viel Spaß gemacht, ihm alles zu zeigen und (ganz Touristenführerin) Geheimtipps preiszugeben. Am Besten hat uns allerdings der Strand zwischen Wimereux und Ambleteuse (Côte d´Opale) gefallen, deshalb haben wir dort auch die meiste Zeit verbracht. Das Wetter war perfekt für einen Kurz-Strandurlaub Ende September. Selbst für ein Picknick in den Dünen war es nicht zu windig. Auch um durch die Stadt zu bummeln hatten wir viel Zeit und abends haben wir uns ein 3-Gänge Menü in einem typischen Altstadt-Restaurant gegönnt. Mit vollem Magen und der Erkenntnis, dass französische Restaurantbesitzer zur Not auch Englisch sprechen, sind wir zurück zum Auto geschlendert und haben uns über die französischen Hunde amüsiert. Einer ist beim Betreten des Restaurants mit dem Kopf an eine Glasscheibe gestoßen und ein anderer streikt anscheinend immer an der gleichen Stelle des Spaziergangs und lässt sich nur noch mit seinem Hinterteil über den Boden schleifen. Ihn und seine schon etwas ältere Besitzerin haben wir an beiden Abenden an exakt der gleichen Stelle angetroffen. 
Auch habe ich jetzt ein richtig gemütlich eingerichtetes Zimmer und genug Kekse, DVDs und Duschgels für das ganze Jahr. Die DVDs sind übrigens so alt oder kennt heutzutage noch jemand die Olsen-Twins? Trotzdem vielen Dank für die Mühe, die ihr euch gemacht habt. Auf jeden Fall kann ich ab sofort mit der Musik Box das gesamte Haus beschallen. Und wegen dem Gummibärchenglas finden alle after-work Partys mit Valerie in meinem Zimmer statt. Da haben wir dann immer Gelegenheit uns über das aufzuregen, was hier  nicht so läuft wie gewohnt (typisch Deutsch eben). Es macht so viel Spaß mit ihr zusammenzuarbeiten und sich Verbündete zu suchen. Antoine, eine Art "Hausmeister", ist auch so jemand, der keine Probleme macht, sondern alles wieder in Ordnung bringt. Heute Mittag hatte ich auf einmal den Griff von der Trocknertür in der Hand und alles was David dazu meinte war "Wir sagen Antoine Bescheid", sehr praktisch jemanden wie ihn zu haben. 
Das Wochenende war so wunderbar und hat mir wieder gezeigt, wie einzelne Menschen dazu beitragen, dass man sich wieder besser fühlt und über alles positiver denkt. Danke Jan und Valerie! 








Dienstag, 24. September 2013

Was mache ich eigentlich hier?

Heute berichte ich mal von meiner Arbeit und Aufgaben, die mir bis jetzt zugeteilt wurden. Zuerst möchte ich noch erwähnen, dass ich es vorher nie für möglich gehalten habe, dass man Arbeit und Freizeitt so gut in Einklang bringen kann, wenn Wohn- & Arbeitsstelle identisch sind. Theoretisch habe ich einen 11-Stunden Tag, nämlich von 7 Uhr morgens bis 21:30, dazwischen 3 Stunden Pause. Oft ist zwischendurch nichts zu tun, da kann man sich ruhig mal raus in die Sonne legen (gut, dass ich mir die Mühe gemacht habe die Picknickdecke mitzuschleppen). Allerdings muss man sich an diese "lässige Arbeitshaltung" erst einmal gewöhnen, wenn man nur die deutsche Schaffer-Einstellung kennt. 

Also morgens fängt es an mit Frühstück vorbereiten. Da lauert schon die erste Herausforderung, nämlich an alles zu denken, bevor Nr. 5 herunter kommt und verbissen nach etwas sucht, das noch nicht erledigt wurde. Das macht einen gleich hellwach und konzentriert. Wenn alle fertig sind, müssen wir darauf achten, dass jeder sein Zeug bekommt, das im Büro eingeschlossen ist. Der eine sein Spray für seine Halbglatze (obwohl ich bezweifle, dass da noch Haare nachwachsen), die andere ihr rosa Handy und der Kettenraucher seine tägliche Portion an belgischem Tabak (der extra wegen ihm alle 3 Monate dort gekauft wird). Dann bleiben wir drei alleine zurück und freuen uns über die Ruhe. Dann wird gekehrt, durchgewischt, Toiletten und Waschbäder geputzt und Wäsche aufgehängt. Jedoch kommt 2x die Woche die Putzfrau, sodass wir dann immer die Ausrede haben "ach es wird morgen gewischt" oder "das reicht doch, wenn es gestern gemacht wurde". Auf diese Weise sind wir mit dem Hausputz schnell fertig und es ist trotzdem sauber, weil jeder von uns sieht, wenn was dringend gemacht werden muss und macht es auch. Ich z.B. putze extrem häufig den Gasherd, der bei so vielen Leuten ständig verfleckt ist. Danach wird in jedem Zimmer gelüftet und die Heizung abgedreht. Dafür brauchen wir unseren Schlüssel, den wir eigentlich den ganzen Tag brauchen. Alles muss abgeschlossen sein. Die Zimmer, die große Speisekammer, das Büro, sowie Wasch- & Putzmittel und nachts der Kühlschrank (dafür gibt es allerding Schlösser mit Zahlencodes). Trotzdem vergesse ich diesen blöden Schlüssel ständig. Schon zweimal saß ich vor unserem Haus und hab mich geärgert, dass ich einfach nicht an den Schlüssel denke, der gleichzeitig auch Haustürschlüssel ist. Beim zweiten Mal hatte ich allerdings Glück, dass mir gerade noch rechtzeitig eine rettende Idee gekommen ist. Da ich kurz vorher Valerie zum Bahnhof gefahren habe, hatte ich nichts weiter bei mir als die Autoschlüssel. Da ich keine 3 Stunden auf David warten wollte, bin ich wieder in Auto gesprungen und zurück zum Bahnhof gefahren, das Auto direkt davor geparkt, rausgesprungen, zum richtigen Gleis gerannt und in den Zug nach Lille gesprungen. Bereits im ersten Wagon hab ich die angetroffen und mir ihren Schlüssel ausgeliehen. 
Also weiter zu den Aufgaben... Ich mache Fahrdienste innerhalb von Boulogne und nach Ambleteuse, habe regelmäßige Treffen mit den Verantwortichen und den anderen Freiwilligen. Donnerstags gehe ich mit Valerie einkaufen, weil David frei hat und montags geht er allein mit Valerie, weil ich da meinen freien Tag habe. Dann kommen gelegentlich Aufgaben wie Möbel tragen hinzu, heute haben wir 4 antike Kleiderschränke kleingehauen und die Kleinteile 4 Stockwerke nach unten in den Bus getragen. Ich hab keine Ahnung, ob sie die nochmal irgendwie verwenden wollen. Und meine Hauptaufgabe besteht natürlich darin, bei den Bewohnern zu sein, sie zu unterhalten, ihnen beim Wäsche machen oder der Zimmersäuberung helfen. Ich diskutiere auch mit ihnen, weil einige von ihnen partout nicht duschen wollen. Dann stehen sie vor mir wie kleine Kinder und behaupten steif und fest, sie hätten schon geduscht. Die meiste Zeit verbringe ich allerdings in der Küche, da ich so etwas wie die Köchin des Hauses geworden bin. Zwar kochen die Bewohner und wir helfen nur, jedoch macht man im Endeffekt doch alles selber. Das Essen verteilen wir auch. Heute gab es Quiche, wobei eins dunkler war als das andere und Nr. 5, egoistisch wie sie ist, mir direkt gesagt hat, dass sie "es vorzieht von diesem und nicht von dem anderen ein Stück zu bekommen". Ich habe ihr gesagt, dass sie warten soll, weil sie noch nicht an der Reihe war. Dann wird sie total ungeduldig und nervös und nennt mich "Sophiän", denn nach fast 4 Wochen kann sie unsere Namen immer noch nicht und siezt uns weiterhin. Nachdem die Küche sauber ist und jeder seinen Tee getrunken hat, sitzen wir zusammen im Wohnzimmer, schauen Fernsehen oder spielen etwas. Einige beschäftigen sich selber, mit puzzlen z.B., oder andere gehen früh ins Bett. Was ich mir übrigens auch immer vornehme, aber nie schaffe. 

Freitag, 20. September 2013

Ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen

Heute war das erstes offizielles Treffen mit den neuen Freiwilligen/Assistenten in Ambleteuse. Das mittwochs im Pub ist mehr so zum Vergnügen gedacht und auch nicht zwingend. Also haben wir uns heute nochmal alle vorgestellt, ein neues Gesicht war immerhin dabei. Dann ging es noch um positive Erfahrungen mit den Bewohnern und um unsere Eindrücke des ersten Tages. Ich wurde sogar auch einigermaßen verstanden, aber das braucht man auch nicht zu fürchten. Sich irgendwie zu äußern ist besser als gar nichts zu sagen. Denn was ich am meisten vermisse sind lockere Gespräche und Scherze, eben reden "frei Schnauze". Gut, dass ich dafür Valerie habe. 
Heute Mittag bin ich zum ersten Mal mit zu diesem Tanz-Fitness-Kurs gegangen. Genannt "Madness" - und das kann man ruhig wörtlich verstehen. Ich musste nach Ambleteuse fahren, Bewohner einsammeln und zurück nach Boulogne fahren. Da ich den Weg zum Fitnessstudio nicht wusste, meinte Aline, dass ich hinter ihr herfahren kann. Es fing schon damit an, dass sie eine andere Route nach Boulogne gefahren ist, als die, die ich kenne. Die Straßen waren sehr eng und holprig und sie ist so schnell gefahren, dass ich Schwierigkeiten hatte, hinter ihr zu bleiben. Natürlich hat sie auch nicht bedacht, dass ich eigentlich nicht so schnell fahren darf wie erlaubt. In Frankreich muss man nämlich unter 25 oder 23 mindestens 10km/h langsamer fahren, als alle anderen. Das ist auch mit einem großen "A"-Aufkleber gekennzeichnet. Dann haben im Auto alle draufbestanden, Musik anzumachen um sich aufs Tanzen einzustimmen und Nr.5 hat gemeckert, dass ihr zu heiß ist. Dann hat sie auf der Autobahn ständig das Fenster auf und zu gemacht, weil sie sich nicht entscheiden konnte. Auf dem Parkplatz angekommen, habe ich mich gleich neben Aline auf den Behinderten-Parkplatz gestellt und mich gefreut, dass ich dort jetzt legal parken darf. Leider ist auf dem Auto keine entsprechende Kennzeichnung, sodass ich doch noch umparken musste. Das Tanzen war ganz witzig, obwohl schon nach 10 Minuten Ballspiele gespielt wurden. 
Wieder Zuhause hat Valerie das Kochen übernommen. Dabei haben wir erkannt, dass man im Supermarkt nicht immer unbedingt die billigste Tomatensoße in der Dose kaufen sollte, besonders wenn sie "Aicha" heißt (sehr suspekt) und man sich nicht sicher ist, ob im Haus ein Dosenöffner vorhanden ist. Während Valerie also versuchte eine einigermaßen wohlschmeckende Soße zu machen, habe ich mich bemüht zwei Personen zu unterhalten. Die eine war heute zum Essen eingeladen und ist die, die bald zu uns zieht. Sie ist ein ganz zartes Persönchen (innerlich, nicht äußerlich) und redet immer leise und einem zerbrechlichen Stimmchen. Wenn man sie fragt, ob alles okay ist, sagt sie immer nur "ja". Deshalb fragt man sie am besten keine Entscheidungsfragen, sonst kann man kein Gespräch aufbauen. Mit dem Anderen habe ich  verschiedene Prospekte durchgeguckt und, da er nicht lesen kann, ihm ein Zitat von Francois Hollande "vorgelesen". Ich hoffe, er hat dabei mehr verstanden als ich. Bei dem Prospekt vom Supermarkt ist er allerdings richtig aufgeblüht und hat auf die verschiedensten Dinge gezeigt. Ich hab dann meine Standard-Sätze gebracht, wie "Das ist schön/lecker/groß/zu teuer/interessant/zu viel". 

Im Großen und Ganzen fühle ich mich hier von Tag zu Tag selbstständiger. Z.B. als ich heute auf dem Weg nach Ambleteuse meine Kreditkarte bei der Bank abgeholt habe oder die Fitness-Trainerin nach einer Liste für weitere Kurse gefragt habe. Generell ist man mit dem Auto hier wirklich gut dran, vorallem weil es uns jederzeit zur Verfügung steht, sogar in unserer Freizeit. Heute hatte ich noch etwas Zeit, bevor ich in Ambleteuse sein sollte und da bin ich links abgebogen und auf den Touri-Parkplatz in den Dünen gefahren. Daran fahren wir sonst achtlos vorbei, aber heute war schönes Wetter, es war gerade Flut und das Meer hat ausgesehen wie in der Karibik. Vorne hellblau-schimmernd und weiter hinaus wurde es immer dunkler. Sogar die Küste von England konnte man deutlich am Horizont erkennen. Die Landschaft hier ist wirklich wunderschön, vorausgesetzt das Wetter ist einigermaßen gut. Dennoch hat man hier bei Regen gute Chancen, dass es in ein paar Stunden wieder ganz anders aussieht. Letztens habe ich darüber Witze gemacht und gemeint, dass es morgen vielleicht schneit. Da hat David gelacht und ich hab mich über meinen ersten bewussten Witz gefreut. Er guckt immer ämusiert wenn ich vor ihm stehe, den Kopf im Nacken damit ich ihn überhaupt ansehen kann, und mich mitzuteilen versuche. Und Valerie lacht immer über meine Aussprache, aber das macht die zwei noch sympathischer, vorallem weil sie mich immer ausreden lassen und ich dabei selbst anfangen muss zu lachen, weil ich mir denken kann, wie schlimm sich das anhören muss.