Donnerstag, 15. Mai 2014

Patricia, Orsi und René

Patricia, meine liebe Zimmernachbarin, schimpft schon wieder mit sich selbst, das heißt, sie schimpft nicht direkt mit sich selbst, sondern wegen uns führt sie jetzt verärgerte Selbstgespräche. Ich bin sogar die Hauptschuldige, obwohl heute mein freier Tag ist. Es fing damit an, dass sie mich auf dem Flur getroffen hat und mich nach ihrem Taschengeld gefragt hat. Betty, die Assistentin aus Ambleteuse, die momentan hier aushilft wusste den Code vom Safe nicht. Also habe ich den Umschlag mit Patricias Taschengeld aus dem Safe geholt und ihr den Betrag genannt, den sie heute bekommt. Da fing sie an "Nein nein, normalerweise bekomme ich mehr! Immer am 15. so und so viel!" Ich habe ihr dann erklärt, dass sie jeden Monat gleich viel Geld bekommt und sich das Geld auf die Freitage verteilt und sie am 15. eine größere Summe bekommt. Natürlich bin ich nicht diejenige, die das aufteilt, sondern das Finanzbüro in Ambleteuse. Aber ich war es, die ihr erklären konnte, dass nicht jeder Monat gleich viele Freitage hat und somit das "Mitte-monats-Geld" mal mehr mal weniger ist. Natürlich hat sie das nicht verstanden und seitdem läuft sie durchs Haus und schimpft. Vor ein paar Stunden hat sie sogar 3x fest an meine Tür geklopft, ich hatte schon Angst, dass sie mir gleich an die Gurgel springt, aber eine gewalttätige Persönlichkeit hat sie bisher eigentlich noch nicht. Also habe ich unbesorgt die Tür geöffnet und stand vor einem kleinen Giftzwerg mit gehobenem Zeigefinger (passenderweise trägt sie heute auch noch rote Hose + pinker Pulli). Sie sagte das, was sie immer sagt: "Ich werde das meinem Bruder erzählen!" Ich habe dann versucht sie zu beschwichtigen, aber ohne Erfolg.
Stéphane, der immer auf den Flur kommt, wenn sich dort irgendetwas abspielt, hat nur gegrinst und mir einen schönen, freien Tag gewünscht. Auch wenn bei ihm das Timing nie stimmt, hat er doch Manieren. 
Letztens habe ich mitgekriegt, wie er über den Flur "gute Nacht, Patricia!" gerufen hat, obwohl diese in ihrem Zimmer war. Natürlich kam von Patricia kein "Gute-Nacht" zurückgebrüllt. Ungeduldig wie er ist, rief er daraufhin lauter "Gute Nacht! Eh, eh!! Patricia! GUTE NACHT!" Dann hat er sich vor ihre Tür gestellt, nochmal gerufen und ist dann ohne wirklich angeklopft zu haben, eingetreten und hat ihr wahrscheinlich mit einem Handschütteln gute Nacht gewünscht. Als wäre es das Normalste auf der Welt sich durch geschlossene Zimmertüren gute Nacht zu wünschen. Und als keine Antwort kam, hat er sie einfach erzwungen. Es ist manchmal so witzig, wie unsere Bewohner untereinander mit sich umgehen. 

Jetzt habe ich schon so viel von Patricia erzählt, dass Orsi und René jetzt leider etwas kurz kommen. Orsi und René wohnen in dem Foyer in Ambleteuse, in dem ich gestern ausgeholfen habe, weil Valerie nicht da ist. Orsi ist eine Assistentin aus Ungarn und kommt von der gleichen Organisation wie ich. Sie ist einfach so ein lieber Mensch und mit ihr rede ich gerne. Vorallem gestern, weil sie alleine war, war sie total dankbar, dass ich da war und gekocht habe (wenn es auch nur Reis und Fischstäbchen gab). Eigentlich keine große Arbeit, aber wenn man alleine arbeitet, hängt alles an einem selbst. Man kann noch nicht mal für 10 Minuten das Haus verlassen, wenn die Leute da sind. Das wurde mir auch wieder hier die Woche bewusst, dass man komplett die Verantwortung trägt. Gerade bei uns sind wir jetzt nur noch drei Freiwillige. Aline hat natürlich mehr zu sagen, aber vergleichsweise zu uns ist sie so selten da, das doch alles in unserer Hand fällt. Patricias Anfall ist da das beste Beispiel. 

Und René ist ein Bewohner, der in Rente ist. Das heißt er ist immer anwesend, raucht seine 20 Zigaretten am Tag (und das ist schon begrenzt und wird streng überwacht) und trinkt mindestens genauso viel Kaffee. Ich habe seinen Konsum dann nochmal erhöht, indem ich gefragt habe, ob wir einen Kaffee trinken (das Einzige, was man mit ihm machen kann). Er ist dabei aber richtig aufgeblüht und hat mich sogar nach Milch und Zucker gefragt. Ich habe dann bei strahlendem Sonnenschein draußen mit ihm auf die Frau gewartet, die ihn abholen sollte und bei welcher er zum essen eingeladen war. Danach hat sich herausgestellt, dass er gar nicht abgeholt werden sollte, sondern selbst dorthin laufen sollte. Ich wette, wenn er unser Auto gesehen hätte (das habe ich bei einem anderen Foyer geparkt), hätte er mir gegenüber auch behauptet, dass er immer mit dem Auto gefahren wird. Darüber muss ich immer schmunzeln. Das muss man unseren Leuten ja lassen. Wenn es um ihren eigenen Vorteil geht, sind sie richtig clever. 


Eindrücke aus Orléans



mittelalterlicher Markt



Electro Konzert 

 und wegen ihr der ganze Rummel: Jeanne d´Arc

 Umzug


 die Loire und ein kreativer Romantiker.. :)


 ein riesen Tartine! 

 leider nicht unser Hotel, aber ein schönes Fotoobjekt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen